Rainer Eppelmann am GGM

 

Einer der bekanntesten Bürgerrechtler, der ehemaligen DDR Pfarrer Rainer Eppelmann sprach auf Einladung von Studiendirektorin Veronika Gastpar und Schuldirektor Max Leppmeier vor den 10. Klassen zur Wiedervereinigung und wie es dazu kam. Josef Kraus, ehemaliger Schulleiter am Gymnasium in Vilsbiburg hatte den Kontakt vermittelt und war ebenfalls anwesend.

 

Leppmeier erinnerte daran, dass das Thema heute aktuell wie nie sei. Das Gabelsberger-Gymnasium feierte heuer den 70. Geburtstag. Vertriebene, die damals ihre Heimat verlassen mussten, hatten den Willen und bauten diese Schule mit auf.

 

Eppelmann wurde als DDR-Oppositioneller bekannt und ist heute Vorstandsvorsitzender der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. Eppelmann erläuterte, dass er in vier verschiedenen Deutschlands gelebt habe. Vor dem 2. Weltkrieg in Deutschland, dann in der sowjetischen Besatzungszone, die in die DDR überging und heute wieder in Deutschland. Es ist ein großes Glück in einer Demokratie zu leben, das merken die meisten Menschen in Deutschland heute gar nicht mehr. Im Krieg gab es fast keine Familie, die nicht jemand durch den Krieg verloren hatte. Keiner wollte den Deutschen helfen, weil sie den Krieg begonnen hatten. Hohe Arbeitslosenquoten, die Weltwirtschaftskrise, Verlust des Kaisers und Reparationszahlungen an die Sieger, waren Gründe für radikale Parteien und so wurde Adolf Hitler 1932 gewählt, weil er versprach alles zu ändern. Schließlich wurde Deutschland von seinen eigenen Feinden befreit. Eppelmann musste durch den Mauerbau seine Schulzeit mit der 11. Klasse beenden, da er ein Gymnasium im Westen besuchte und nach dem Mauerbau dies nicht mehr möglich war. Wegen seiner Nicht-Mitgliedschaft in der FDJ durfte er kein Abitur ablegen. Da durften nicht die Eltern bestimmen, sondern 21 „alte Knacker“. Die sozialistische und kommunistische Partei bestimmte alles und hatte immer recht. Frisur, Musik und Kleidung alles wurde vorgeschrieben. Alles gehörte dem Staat, alles allen. Betriebe und Bauernhöfe wurden abgenommen und in Genossenschaften organisiert. Wer flüchten wollte, wurde wegen Republikflucht inhaftiert oder erschossen. Die denen die Flucht gelang, mussten alles zurücklassen. Nach dem Mauerbau sind unzählige Menschen geflüchtet und ließen ganz Kleinstädte leer. Die, die blieben wurden zu „Flüsterern“. Nur nichts machen, was man nicht darf. Das zerstört den Menschen, wenn man sich aus lauter Angst verstellt. Glücklich war keiner und die Selbstmordrate enorm. Die DDR sollte ein Idealstaat sein, auf den alle anderen Länder neidisch sind. Der Generalsekretär der SED bestimmte und alle stimmten zu 100% zu. In den Zeitungen stand nur, was man zu lesen hatte, aber in ARD und ZDF sahen wir, wie es hinter der Mauer aussieht und es sich lebt. Irgendwann war es den Menschen zu viel. Sie wollten auch einfach nur leben, ohne Panzer und Todesschüsse. Michael Gorbatschow hatte mit seiner Perestroika den Mauerfall möglich gemacht und die Menschen in der DDR waren fassungslos, als man plötzlich die Grenze wegschob und es einen Durchgang in den Westen gab. Das war unfassbar. An diesem Tag hatte die Angst der vielen Menschen die Seite gewechselt und gegen 70.000 Menschen war auch das Regime machtlos. Dazu war das Land zahlungsunfähig und auch Moskau war finanziell nicht so gut gestellt, dass es hätte aushelfen können. Auch wenn viele Bürger nicht wussten, ob sie diesen Tag überleben, oder doch tags darauf im Gefängnis sitzen. Was die Menschen nach dem Mauerfall erlebt haben ist epochal.

 

 

 

 

Text und Bild: Isabella Goossens, Hallertauer Zeitung

 

 

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