Haus der Musik

 

Musik spielte in Wien geschichtlich gesehen immer schon eine Rolle. Wien ist berühmt für seine  jahrhundertelange Musikkultur. Große Komponisten, Dirigenten und Musiker zog es seit jeher dorthin, um sich inspirieren zu lassen und ihre Karriere voranzutreiben. Kaum verwunderlich ist es also, dass sich in dieser Kulturhauptstadt eines der größten und beeindruckendsten Klangmuseen der Welt finden lässt. Mitten in der Wiener Innenstadt, halb versteckt und geradezu unauffällig zwischen riesigen Bauten, liegt das „Haus der Musik“. Passend in der Nähe des Musikvereins und der Wiener Staatsoper gelegen, lädt das Museum in das fünfstöckige Gebäude auf ein unvergessliches Klangerlebnis ein.

 

Durch ein Tor gelangt man in den riesigen glasüberdachten Innenhof, der als Foyer genutzt wird. Dort empfängt den Besucher eine offene, freundliche Atmosphäre, die sogleich unmissverständlich durch den in der Mitte platzierten Flügel zu verstehen gibt, dass man die Welt der Musik betreten hat.

HausdM2.jpgNachdem man an der Kasse Tickets sowie Informationen erhalten hat, führt das interaktive Hightech-Museum seinen Ideenreichtum vor, indem es die Besucher über eine klingende Tonleitertreppe in den ersten Stock in das Museum der Wiener Philharmoniker geleitet. Auf der Stairplay kann man sich mit der leider nicht einwandfrei funktionierenden Technik austoben, bevor ein langer Gang mit der gesamten Geschichte der Wiener Staatsoper die eher theoretisch Veranlagten in Anspruch nimmt. Im nächsten Bereich erwartet den Wissbegierigen bereits das nächste interaktive Highlight: ein Walzerwürfelspiel. Hier kann man mit virtuellen Würfeln Instrumente und Melodiebausteine zufällig auswählen und so einen achttaktigen, vierstimmigen Walzer erstellen. Die individuelle Komposition darf auf Anfrage sogar mit nach Hause genommen werden. Der darauffolgende Raum ist Otto Nicolai, dem Gründungsdekret der Wiener Philharmoniker, gewidmet, dessen Gestalt man stehend an der für ihn konzipierten Treppe erblicken kann. In einem kleinen Kinosaal mit Großbildleinwand werden zur jeder vollen Stunde die Highlights der weltberühmten Wiener Neujahrs- und Sommernachtskonzerte gespielt.

 

Falls man sich in der Musik noch nicht komplett verloren hat und man sich von den bekannten Walzermelodien losreißen kann, führt die Treppe hinauf in die 2. Etage, in die Sonosphere. Da seit September eine zwei- bis dreimonatige Umbauphase stattfindet, sind in der Zeit nur kleine Bereiche der Klanggalerie geöffnet. Diese wirken jedoch ein wenig aus dem Konzept gefallen und leicht irritierend. Man wird in einen komplett abgedunkelten Klangraum geführt, in dem modernisierte und technisierte Stücke der alten Komponisten erklingen. Mit den mystischen Klängen und den großen Bildern an der Wand, die die Planeten abgedruckt haben, wirkt der Raum eher Teil eines Planetariums anstatt eines Musikmuseums. Ebenso fraglich ist der zweite Teil der geöffneten Sonospere. Dort können Besucher aus verschiedenen Alltagsgeräuschen eigene Sound-Mixe erstellen.

 

Haus der Musik 7.jpgWeitaus ansprechender ist wieder der 3. Stock, die Ebene der großen Meister. Hier wurde jedem der großen Komponisten, die in Wien gelebt und gewirkt haben, ein eigener Raum gewidmet. Haydn, Mozart, Beethoven, Schubert, die Strauß-Familie, Mahler sowie die Komponisten der Zweiten Wiener Schule finden hier ihren Platz. In chronologischer Reihenfolge, bei Joseph Haydn beginnend, enthält jeder Bereich persönliche Dokumente, Partituren und andere spannende Artefakte, die den jeweiligen Komponisten charakterisieren und ihn den Besuchern so näher bringen. Die normalerweise recht trockenen Informationen werden optisch und inhaltlich ausgezeichnet aufbereitet und überaus anschaulich dargestellt. Besonders ist die Musik, die immer angenehm den Besuch der Räume umrahmt: Berühmte Werke der jeweiligen Komponisten erklingen und scheinen bei den grandios konzipierten Räumlichkeiten auf dem Weg zum nächsten Komponisten erst leiser zu werden, dann zu verschwimmen und sich bei Eintritt in die nächste „Welt“ neu zu entfalten.

HausdM3.jpgHinzu kommen in dieser Etage weitere Möglichkeiten, bei denen die Museumsbesucher wieder aktiv werden können. Im Mozart-Raum bietet das Haus der Musik ein Programm mit einer von Mozart selbst entworfen Vertonung des Alphabets an. Hier kann man mit Namadeus seinen eigenen Namen komponieren und vorspielen lassen. Besonders großen Anklang findet das virtuelle Dirigieren: Man steht auf einem kleinen Podest mit einem digitalen Taktstock in der Hand den berühmten Wiener Philharmonikern gegenüber, die auf alle Bewegungen reagieren und so Unterschiede in Tempo und Dynamik erkennen lassen. Auch wenn dies wohl nicht wirklich dem tatsächlichen Dirigieren entspricht, ist es eine grandiose Idee, die sehr charmant und unterhaltsam gestaltet und umgesetzt wurde.

 

Haus der Musik 9.jpgIm letzten Stockwerk sind zwei große Konstrukte zu finden, die an einen kleinen modernisierten Kinosaal erinnern. Im Inneren sind jeweils eine Bühne und ein riesiger Bildschirm. Das eine gibt Raum für ein musikalisches Märchen für Kinder, im anderen befindet sich ein an die Oper angelehntes Gesamtkunstwerk für Erwachsene. Bei den multimedialen und interaktiven Musiktheatern kann man aktiv eintauchen, da alle Bewegungen vom Raumsensor erfasst werden und somit das Geschehen auf der Leinwand direkt beeinflusst werden kann. Während die Kleinen sich ein eigenes Zookonzert erstellen, können die Älteren eine Oper aus Sicht der Akteure erleben.

 

Damit ist man nun auch am Ende der Klangreise durch die Welt der Musik und wird in Richtung des Ausgangs durch den Museumsshop geführt. Dort kann man noch einige musikalische und wienerische Andenken erstehen, bis es wieder hinaus geht.

 

Insgesamt ist das Haus der Musik ein großartiges Erlebnis für Klein und Groß. Informativ wie interaktiv gesehen bietet es alles, was das musikalische Herz begehrt. Durch überragend konstruierte und hochtechnisierte Räumlichkeiten wird das Klangmuseum ein visuelles und auditives Highlight der Stadt. Ein Besuch ist sehr zu empfehlen.

 

 

Freya Sieber

 

 

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