Palmetshofers „Vor Sonnenaufgang“ im Theater Regensburg – Abiturvorbereitung hautnah


 

Was verbindet man mit einem Sonnenaufgang? Eine romantische Stimmung? Ein Verscheuchen der Schatten der Nacht? Einen neuen Anfang? Nichts davon trifft auf Familie Krause-Hoffmann aus „Vor Sonnenaufgang“ zu, denn in den Stunden vor Sonnenaufgang werden durch einen Überraschungsbesuch Themen zu Tage gebracht, die im aufgehenden Licht der Sonne die einzelnen Familienmitglieder vor den Scherben ihres Lebens stehen lassen. So ist es in Gerhart Hauptmanns „Vor Sonnenaufgang“ von 1889 und so ist es auch in Ewald Palmetshofers gleichnamiger Überschreibung aus dem Jahr 2017. Nur, dass im Regensburger Theater am Bismarckplatz am 15. April 2019 kein tosender Tumult über eine skandalöse Aufführung ausbrach wie 1889 bei der Uraufführung in Berlin, sondern tosender Applaus für eine gelungene Inszenierung, die den sechs Kursteilnehmerinnen und Kursteilnehmern des Deutsch-Kurses von Frau Gastpar unter die Haut ging.

 

Der österreichische Dramatiker Ewald Palmetshofer aktualisiert in seinem vor zwei Jahren entstandenen „Vor Sonnenaufgang“ das Hauptmannsche Frühwerk und überschreibt es im Sinne der „Basler Dramaturgie“, deren Programmatik es ist, klassische Dramentexte aus ihrer zeitlichen und lokalen Gebundenheit zu lösen, von den Zwängen der historischen Verankerung und Bedingtheit zu befreien und für die Gegenwart zu befragen. Palmetshofer reduziert dabei die Handlung des naturalistischen Klassikers, ersetzt überholte Vorstellungen, nähert sich den Figuren von einer heutigen Perspektive aus, analysiert messerscharf. Die gleichnamigen Figuren im neuen, überschriebenen „Vor Sonnenaufgang“ versuchen mit aller Macht, die Elemente des Unglücks, z.B. Depressionen, in ihrem Leben zu verneinen und auszusperren, bis die unvermeidliche Katastrophe über sie hereinbricht und sie ratlos und allein in der aufgehenden Sonne zurückgelassen werden.

 

Die sechs Abiturientinnen und Abiturienten, die sich derzeit u. a. auf das Aufgabenformat II „Interpretieren eines dramatischen Textes“ für das Deutsch-Abitur vorbereiten, konnten in der fast komplett ohne Requisiten auskommenden Inszenierung hautnah diese Verunsicherung und Einsamkeit der einzelnen Familienmitglieder miterleben. Genau wie die Figuren blendete auch sie als Zuschauer/innen am Ende das gnadenlos gleißende (Scheinwerfer-)Licht des Sonnenaufgangs, das von der Bühne aus direkt in den Zuschauerraum strahlte und trotz der Intensität die spürbare Dunkelheit nicht vertreiben konnte. Ein intensiver Theaterabend.

 

 

Die Teilnehmer/innen des D3-Kurses

 

 

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