Lebensqualität ab Hof – Schüler des GGM besuchen Landwirtschaftsbetriebe der Region

 

Schon in der 5. Klasse werden die Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums im Rahmen des Geographieunterrichts über die heutzutage oft schwierigen Rahmenbedingungen in der Landwirtschaft aufgeklärt: Weitgehend offene Märkte für Produkte aus aller Welt, ein Verbraucher, der nicht nur auf die Qualität, sondern auch auf den Preis achtet, eine kleinteilig parzellierte Agrarlandschaft in unserer Heimat - keine leichte Aufgabe, sich da zu behaupten! Viele tun es trotzdem erfolgreich, ob über eine weitere Spezialisierung ihres Hopfenbaubetriebes, das Umsatteln auf die Energieerzeugung, oder aber die Direktvermarktung von hochwertigen Nahrungsmitteln, mit und ohne Bio-Siegel. Von letztgenannter Strategie wollte sich die Klasse 5a mit ihrer Lehrkraft, Herrn Fiesel, durch den Besuch einiger Landwirtschaftsbetriebe vor Ort selbst überzeugen.

 

Erste Station des Ausflugs war Josef Niedermayers Merino-Schafzucht in Rudelzhausen. Im Nebenerwerb hält dieser auf einer neu erbauten Hofstelle am Ortsrand rund 90 Mutterschafe, die jährlich etwa 130 Lämmer für den Fleischverkauf bringen. „Schon als Kind haben mich die Schafe interessiert. Kam der Wanderschäfer das Abenstal herauf, gab es für mich kein Halten“, erklärt der gelernte Tierwirt für Schafhaltung auf Anfrage der Schüler, wieso er dem Hopfenbau schon früh den Rücken gekehrt habe. Bis heute begeistert er sich für den direkten Kontakt mit seinen Tieren, im Sommer ist er oft, zusammen mit seinen drei Herdegebrauchshunden (Border-Collie-Mischlingen), auf den Koppeln, obgleich feste oder mobile Elektro-Einzäunungen die arbeitsintensive Wanderschäferei längst überflüssig gemacht haben. Warum man gerade sein Schaffleisch kaufen sollte, wollten die Kinder wissen? Weil es Fleisch höchster Qualität sei! Die Schafe weideten den größten Teil des Jahres auf Grünflächen, die, ohne jeden Kunstdüngereinsatz, den Richtlinien einer nachhaltigen und ökologischen Bewirtschaftung nach dem bayrischen Kulturlandschaftsprogramm (KULAP) entsprechen, und auch im Winter wird fast nur - ein wenig Kraftfutter ausgenommen - Heu und Grassilage aus eigener Produktion gefüttert. Zu kaufen gibt es diese regionale Spezialität z.B. in der Metzgerei Schuhbauer in Kirchdorf an der Amper, da der Landwirt aufgrund strenger EU-Vorgaben nicht selber schlachten darf.

 

Weiter ging es fußläufig über Feld und Flur nach Niederhinzing, zu der schon von weitem faszinierenden Bisonherde der Familie Stanglmayr. 12 Kühe, 14 Jungtiere und 2 Bullen zählt die Herde derzeit, die - ebenfalls im Nebenerwerb - das ganze Jahr über auf einer rund 3 Hektar großen Weide gehalten wird. Seit einigen Jahren ist ein Offenstall dazugekommen, der nötig wurde, um den bis zu 1000 kg (Bullen) schweren Tieren in einer darin integrierbaren Einfangbox Ohrmarken anlegen zu können, denn die Wildtiere müssen neuerdings wie Rinder registriert werden. Ansonsten sind die widerstandsfähigen Tiere, die praktisch nie krank werden, bei jedem Wetter am liebsten draußen, wo sie sich auch suhlen können und - wie ihre Vorfahren in der nordamerikanischen Prärie - nur Gras und Raufutter fressen, das vollständig vom hofeigenen Grünland stammt und gleichfalls den KULAP-Richtlinien entspricht. Die Kinder hatten von Elisabeth Stanglmayr rasch erfragt, dass sie das Bisonfleisch vollständig selbst vermarktet und dieses oft über Jahre hinaus „ausgebucht“ ist: „Bisonfleisch schmeckt hervorragend und ist ein überaus gesundes Lebensmittel. Es enthält viel Eiweiß und dabei wenig Fett und Cholesterin“, war die einleuchtende Erklärung dafür.

 

Solche Qualität, ob Schaf oder Bison, hat natürlich ihren Preis. Das mussten auf Nachfrage auch die Schüler erkennen, die im Vorfeld recherchiert hatten, was uns unsere Lebensmittel eigentlich wert sind: Z.B. war das Kilo Schweinehackfleisch im Supermarkt ab 2,99 Euro zu haben. Da war sogar das Hundefutter teurer! Oder dass der Bauer für den Liter Milch seit Jahren nur um die 30 Cent erhält. Die Hälfte des Preises für ein durchschnittliches Mineralwasser! Geradezu verblüfft hat alle die Erkenntnis, dass der deutsche Haushalt im Schnitt fast so viel für Mobilität (13% des Einkommens) als für Nahrungsmittel (14% des Einkommens; 2015, nach Angaben des Statistischen Bundesamtes) ausgibt. Nicht zu fassen.

 

Demonstrativ wurde deswegen auch der dritte Betrieb, Kottermair‘s Biohof, wiederum zu Fuß angesteuert. Ein Vollerwerbsbetrieb mit Bioland-Zertifikat, einem der großen Öko-Siegel in Deutschland. Rund 3 Hektar werden hier intensiv mit Gemüse und Kräutern bepflanzt, hinzu kommen 120 Legehennen und ein großer Obstgarten. Den Kern des Betriebs bilden freilich die beiden großen Gewächshäuser, die auch fast das ganze Winterhalbjahr über für z.B. frischen Feldsalat und leckeren Spinat sorgen. Bewässert wird aus dem hofeigenen Teich. Die Arbeit darf man dabei jedoch nicht scheuen. Um ganz ohne Chemie die Bodenfruchtbarkeit und ein aktives Bodenleben zu erhalten, ist viel Handarbeit mit der Hacke notwendig, wozu in der Hochsaison auch Halbtagskräfte mithelfen müssen. „So viel Aufwand für jede einzelne Pflanze schmeckt man“, ist Frau Kottermair überzeugt. Davon könnten sich die Kunden im Hofladen in Niederhinzing und auf den Wochenmärkten in Mainburg und Wolnzach jederzeit selbst überzeugen.

 

Ein so großes Angebot gesunder Lebensmittel vor Ort hatte die Kinder dann doch etwas überrascht. Insbesondere da sie bei ihren Recherchen im Supermarkt v.a. auf aufwändig verpackte und künstlich haltbar gemachte Lebensmittel aus aller Welt gestoßen waren, nur nicht auf die frischen und naturbelassenen aus der Nachbarschaft. Mit einem herzlichen Applaus bedankten Sie sich deswegen bei allen Gastgebern, die sie gerne darüber informiert hatten, was sie Tag für Tag für die Landschaftspflege und die Erzeugung hochwertiger Lebensmittel leisten.

 

 

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