Heinrich! Wem graut‘s vor dir?

 

Kongeniale Faust-Vorstellung in der Aula des Gabelsberger-Gymnasiums begeistert Schüler, Eltern und Lehrer

 

Johann Wolfgang von Goethes „Faust“ ist Pflicht im gymnasialen Schulbetrieb. Seit jeher. Und so mancher mag sich mit Grauen daran erinnern, während es anderen offenbar vor Begeisterung nicht einmal davor graut, sich selbst an eine Inszenierung zu wagen. So geschehen durch die Schülersprecher des GGM, Elena Scheer und Felix C. Groll, die nicht nur den Theater-Abend selbst initiierten und organisierten, sondern auch die beiden Zentralfiguren, Dr. Heinrich Faust (Felix) und Mephistopheles (Elena), auf sich nahmen. Wovor so mancher erfahrener Regisseur Respekt hat, nämlich Goethes epochales Meisterwerk zu interpretieren und adäquat auf die Bühne zu bringen, das ist den Schülern auf erstaunlich erfrischende Weise gelungen. Zwar war das Stück als wichtiger Bestandteil des Oberstufen-Stoffes allen Beteiligten bekannt,  doch bleibt es ein Kunststück sich selbstständig so intensiv mit der Materie zu beschäftigen, um eine spielbare Kurzfassung schaffen zu können,  die der Gegenwart Rechnung trägt und trotzdem noch den wesentlichen Kern des Dramas widerspiegelt.

 

Das ist hervorragend gelungen: Mit einem Herrgott (gespielt von Andreas Wiedemann), der dem Treiben des Bösen bei einem Schachspiel und einer Flasche Wein gelassen zusieht, wohl wissend, dass „der Mensch irrt, so lang er strebt“, über den Einsatz von Tablet und PC beim Übersetzen der heiligen Schrift aus dem Griechischen, bis hin zu einem extrem reduzierten Bühnenbild; im Wesentlichen ein Sofa, das sich leitmotivisch durch den Abend zog. Es stellte Studierzimmer, Garten und Kerker dar, aber auch Gretchens Stube, Straße und Hexenküche, niemals ablenkend vom Wort und vom Spiel und seiner Gewalt! Und darstellerisch wurde wirklich viel geboten: Felix erspielte sich bravourös alle Facetten von Fausts vielschichtigem Charakter - Größenwahn, Herablassung, Lebensgier, Verzweiflung -, wobei ihm Elena als Mephisto in nichts nachstand, indem sie mit viel Witz und Nonchalance in der Rolle des hinterhältigen Strippenziehers brillierte.

 

Aber auch die Schauspieler für die Nebenrollen (Julian Schoderer als Valentin, Moritz Westphal als Wagner, Franz Kreitmeir als Hexe u.a.), die sich meist ganz kurzfristig und spontan bereit erklärt hatten mitzumachen, waren ein echter Volltreffer.

 

Allen voran ist hier Anna Summerer als herrlich-naives Gretchen zu nennen. Dazu noch die überaus talentierten Patricia Frank und Korbinian Aigner, die die Gesangspartien des Stückes live übernahmen.

 

Alles in allem war die Aufführung ein gelungenes „Ragout“, das so manchen neuen Blick auf das alte Werk ermöglichte und vom begeisterten Publikum durch frenetischen Applaus aufgenommen wurde. Das verlangt nach Wiederholung!

 

 

Text: Felix C. Groll

Bilder: Erwin Fiesel

 

 

 

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