Heimat -
ein Projekt der Klasse 7e

 

Im Zuge eines mehrstündigen Projekts erarbeiteten die Schüler der Klasse 7e des Gabelsberger-Gymnasiums Mainburg im Deutschunterricht ein Lektüreheftchen zum Thema „Heimat“ und zeigten dabei, was sie unter diesem so weitreichenden Begriff verstehen.

 

Didaktisch-methodisch lag das Augenmerk insbesondere auf der Nutzbarmachung verschiedener Möglichkeiten gestalterischen Schreibens in der Jahrgangsstufe 7 des Gymnasiums in Bayern – einem Bereich, der zwar fest im Lehrplan verankert ist, in der Praxis jedoch eher sporadisch umgesetzt wird.

 

Ziel war es daher, vor dem Hintergrund des Rahmenthemas mit Texten und Impulsen gestalterisch und somit kreativ-produktiv zu arbeiten: So wurden beispielsweise Fortsetzungen zu Texten geschrieben, Leerstellen gefüllt, Erzählkerne ausgestaltet, Wechsel in der Perspektive durchgeführt, Parallel- oder Gegentexte verfasst, Innere Monologe formuliert oder Transformationen in eine andere Textsorte vorgenommen.

 

Den Schülern wurde zunächst  jeweils durch eine entsprechende Einführung das nötige „handwerkliche Rüstzeug“ an die Hand gegeben und sodann Texte und Impulse präsentiert, die in ganz unterschiedlicher Weise einen Zugang zum Thema „Heimat“ ermöglichten. Die gebotenen Schreibanlässe setzten die Schüler sodann im Rahmen verschiedener Arbeits- und Sozialformen gestaltend um (und überarbeiteten zudem einzelne fertige Produkte), wobei individuelle Erfahrungen, Gedanken und Standpunkte mit einfließen konnten.

 

Die Bearbeitung des Themas „Heimat“ lässt sich in verschiedene Bereiche gliedern; so beschäftigen sich einige Texte mit der Natur und Land(wirt)schaft, andere mit Essen und Trinken, Trachtenmode, Musik und Festlichkeiten oder auch der Frage: Fremd(e) in der Heimat?

 

Ein besonderes Highlight war der Besuch des Hochzeitsladers und Gstanzl-sängers Roland Woitsch, der sich die Zeit genommen hat, der Klasse 7e über fast vergessene Traditionen zu erzählen und sie in jeder Hinsicht mit dem Gstanzl vertraut zu machen, ja sogar einige auf die Schüler gedichtet und vorgesungen hat, sodass diese sich schließlich selbst an das Verfassen von Gstanzln machen konnten.

 

Dank der engagierten Autoren, der motivierten Organisatoren des Lay-Outs/der Gestaltung sowie der fleißigen Illustratoren in der Klasse kam zuletzt ein Produkt zustande, das sich sehen lassen kann.

 

StRef Romina Widani

 

 

Leseproben aus dem Heft


Ein Zeitungsbericht über eine bayerische SpeiseKnödel.gif

 

KULINARISCHER SKANDAL: Knödel vom Teller gerollt
Winkleshausener Blatt

 

 

Winkleshausen. Vergangenen Dienstag ereignete sich in der Gaststätte „Beim Winkleshausener Wirt“ um die Mittagszeit eine Katastrophe: Frau B. Ziegelmeier, die 27-jährige Bedienung des Lokals, brachte einem Gast, dem 35-jährigen M. Beiger, einen Knödel, den er als Beilage zu seinem Schweinebraten bestellt hatte. Kaum hatte Frau Ziegelmeier den Teller auf dem Tisch abgestellt, nahm die klassisch bayerische Speise schon Reißaus. Augenzeugen berichten, der Kloß sei einfach vom Teller gepurzelt und durch die Tür gerollt. Bedienung und Gast konnten trotz ihres schnellen Handelns nicht mehr rechtzeitig eingreifen und das laufende Essen einfangen. Nachdem es um die Straßenecke Hilpertsstraße/Luisenweg gekullert war, war es nicht mehr zu sehen. Nun bittet die örtliche Polizei die Winkleshausener Bürger und Bürgerinnen um ihre Mithilfe: Wenn Sie den oben abgebildeten Knödel von Herrn Eigner gesichtet oder gar eingefangen haben, wenden Sie sich bitte umgehend an die Polizei.

 


Ein paar selbst gedichtete Gstanzl’n

 

Unsre Heimat is toll

und mia samma schee

und wer des ned eisigt

ko glei wieder geh.


A Dirndl drong de Madl gern

es is ja doch scho recht schee.

Aba wos drunga wenn de Weipsn hom

na hupfans wia gspinnade Reh.


De oide Bäu’rin is granti

woran mog des wohl lieg’n?

De is heid gwiß beim Aufsteh

mitten in’ Kuadreeg neigstieng.

 

An unsrer scheena Schui in der Heimat

do derf ma oi boarisch re’n

do gibt’s aa nur fesche Lehrer

aber unter d’Leid solltens scho amoi gehen.

 


Ein Brief im Namen Josephs, eines Flüchtlings aus dem Sudan, an seine FamilieJoseph.gif

 

Liebe Familie,

 

jetzt ist es schon elf Jahre her, dass wir uns zuletzt gesehen haben. Jeden Abend, wenn ich zu Bett gehe, muss ich an euch denken – wie es euch geht, was ihr macht – und bete dabei, dass ihr noch am Leben seid. Papas Tod hat euch genauso wie mir den Boden unter den Füßen weggezogen, das weiß ich. Nun, es ist nicht leicht, in einem Brief elf harte Jahre zu erzählen… den Beginn meiner Flucht habt ihr ja noch hautnah mitbekommen. Mir gelang es jedenfalls, einigermaßen unbeschadet nach Deutschland zu gelangen. Ich kam nach einiger Zeit in eine Therapieeinrichtung namens PSZ, wo schon seit langem Flüchtlinge geschützt und gefördert werden. Ich muss sagen, die ersten Jahre, sich hier in Deutschland einzuleben, waren sehr schwer für mich, doch all die Zeit war das PSZ wie eine gute Ersatzfamilie, die mir – wo ja ihr nicht mehr an meiner Seite wart – alles beibrachte, um in diesem neuen Land klarzukommen. Nur durch sie konnte ich aktiv am Leben teilnehmen.

 

Selbst wenn ich nun ein erwachsener Mann bin, ist auch heute noch das PSZ wie ein Vater oder eine Mutter für mich. Wenn ich das hier schreibe, kommen mir die Tränen, denn ich weiß nicht einmal, ob ihr den Brief bekommt, und wenn ja, ihn lesen könnt – oder überhaupt noch lebt. Aber wenn ihr den Brief erhaltet, dann macht euch bitte keine Sorgen um mich, denn mir geht es heute sehr gut; ich fühle mich in Deutschland wirklich wohl. Mit einer Antwort, so gering die Hoffnung darauf auch sein mag, würdet ihr mich unglaublich glücklich machen und ich würde alles in meiner Macht Stehende tun, um euch so bald wie möglich besuchen zu kommen und euch nach all den Jahren wirklich von Angesicht zu Angesicht von meinen Erlebnissen erzählen zu können. Ich gebe den Gedanken nicht auf, dass das Schicksal uns wieder zusammenführt.

 

In Liebe, euer Joseph

 

 

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