Kinder auf dem Sprung


Dirk Reinhardt liest am Gabelsberger-Gymnasium aus seinem Jugendroman „Train Kids“

 

Der aus dem Westfälischen stammende Journalist und Autor Dirk Reinhardt, Träger des Friedrich Gerstäcker-Preises für Jugendliteratur des Jahres 2016, hat für die Schüler der 7. Klassen des GGM aus seinem neuesten Roman „Train Kids“ gelesen und über den Entstehungsprozess eines Werkes berichtet, mit dem er ein auch in Europa brandaktuelles Thema – das Schicksal jugendlicher Flüchtlinge – glaubwürdig und emphatisch vor Augen geführt hat.

 

Im Mittelpunkt der Ereignisse stehen fünf Kinder und Jugendliche zwischen 12 und 16 Jahren, ein Mädchen darunter, sämtlich aus den extrem armen Ländern Mittelamerikas stammend, sämtlich alleingelassen von ihren Eltern, die sich vor Jahren in die USA aufgemacht haben in der Hoffnung auf Arbeit, die ihnen und ihren Familien schnell aus der ärgsten Not in Guatemala, El Salvador oder Honduras helfen sollte. Oft eine vergebliche Hoffnung, die dazu führt, dass sich viele Kinder jahrelang ohne Eltern auf Müllkippen und als Straßenhändler weitgehend selbst versorgen müssen, worauf sie sich schließlich als Jugendliche ebenfalls auf den Weg in Richtung Vereinigte Staaten machen, um endlich ihre Eltern wiederzusehen. Doch dazwischen liegt Mexiko: 2500 Kilometer voller Gefahren, eingekeilt zwischen Dschungel und Halbwüste, zwischen kriminelle Schlepperbanden und die korrupte mexikanische Polizei, die aus der Not der Flüchtlinge ein Geschäftsmodell gemacht haben. Nach Amnesty International sei dies eine der derzeit „gefährlichsten Reisen der Welt“, die – wenn überhaupt – nur als blinder Passagier auf Güterzügen bewältigt werden kann. Dirk Reinhardt hat sie den Schülern so vor Augen geführt, dass niemand wegschauen konnte: Er hat selbst wochenlang vor Ort recherchiert, ist mit den Train-Kids unter den Zügen gesessen, hat ihre individuellen Schicksale erfragt, erfahren, dass einige bereits zum zehnten Mal die gefährliche Reise wagen, um von der Migrationspolizei immer wieder gefasst und wie Kriminelle behandelt zu werden; er hat sie unter Lebensgefahr auf die Züge in Richtung „gelobtes Land“ springen sehen, wo sie meist auch nichts anderes erwartet als Repressalien und Abschiebung.

 

Die Schüler waren betroffen von der Härte des Schicksals dieser Jugendlichen und der Gewalt der von Herrn Reinhardt mitgebrachten Bilddokumente und Schilderungen, so dass sie lebhaft nachfragten und noch mehr erfahren wollten. Im Raum knisterte es aber auch vor Spannung im Zuge der Lesung selbst, sei es bei der Schilderung der lebensgefährlichen Fahrt auf den Zugdächern, oder aber einer Razzia durch die Polizei, die zu einem Lehrstück für den zynischen Umgang mit der menschlichen Not verkommt. Erfunden seien laut Herrn Reinhardt dabei nur die Namen seiner Figuren, deren Schicksale selbst seien alle echt, das macht „Train Kids“ gleichzeitig zu einem bedrückenden Dokument der Zeitgeschichte über die schrecklichen Abgründe von Migration und Flucht, die sich leicht auf die Situation in Europa übertragen lassen, wo vergleichbare Gefahren bei der Fahrt über das Mittelmeer lauern. Ob die Jugendlichen im Roman ihr Ziel erreichen, darüber hat der Autor selbstredend nichts verraten, das herauszufinden bleibt der Lektüre vorbehalten. So viel sei gesagt: Der Roman lebt nicht nur von spannenden Grenzerfahrungen, prägend sind auch die leisen Zwischentöne, die allmähliche Rückbesinnung auf das eigentlich Wichtige im Leben: So stehen die fünf Jugendlichen, die sich erst an der Grenze zu Mexiko zufällig kennen gelernt haben, bald in jeder Gefahr füreinander ein, und im Verlauf des Werks wird die Reise selbst immer mehr zu einer bloßen Parabel, zu einer alternativen Rechtfertigung der Existenz, unabhängig von materiellen Zielen und äußerem Wohlstand in den USA: Freundschaft, familiärer Zusammenhalt, Hilfsbereitschaft!




Text und Bilder: StD Erwin Fiesel M.A.

 

 

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