Dichterlesung am GGM -

Akos Doma liest aus seinem Erfolgsroman
„Die allgemeine Tauglichkeit“

 

Der mit dem Adalbert von Chamisso-Förderpreis dekorierte Autor Akos Doma, Übersetzer und freischaffender Schriftsteller ungarischen Ursprungs, der mit seiner Familie in Eichstätt lebt, hat den Schülern der Q11 seinen Erfolgsroman „Die allgemeine Tauglichkeit“ aus dem Jahre 2011 vorgestellt und ihnen dabei auch vielfältige Einblicke in seinen Werdegang als Künstler, den Literaturbetrieb in Deutschland und seine täglichen Mühen mit der Dichtung geboten.

 

Credo seines Schaffens ist dabei die Überzeugung, dass gute Literatur nur wenig Talent, jedoch viel Fleiß und Beharrlichkeit erfordert, ein nächte- und jahrelanges Ringen um eine fertige Version, die mit Recht den Titel „Dichtung“ trägt: Hoch konzentrierte Verknüpfungen verschiedener Deutungsmöglichkeiten, die sich dennoch harmonisch um einen roten Faden ranken und das in einer Sprache, die authentisch und kunstvoll zugleich ist. So war es nicht verwunderlich, dass er auch von seinem „idealen Zuhörer“ viel verlangte, nämlich nichts Geringeres als innerhalb eines Kosmos‘ von Wahrscheinlichkeiten mögliche Wendungen seiner Geschichte auszuloten, von der er selbst sagt, dass diese absichtlich mehrdeutig verlaufe, um durch die Ambivalenz von Handlung und Figuren den Rezipienten zu einem eigenen Urteil zu zwingen.

 

Und was sind das für Figuren? Da sind zunächst vier ganz junge Männer, scheinbar gestrandete Existenzen, die sich um der Freiheit und der Freundschaft willen der allgemeinen Tauglichkeit bewusst verweigern, was sie freilich in die Kälte eines in ewigem Schatten liegenden, leerstehenden Hauses am Stadtrand zwingt, isoliert vom Gott des Konsums und jeder Aussicht auf eine normale Beziehung zu Mädchen. Und da ist außerdem der aus dem Nichts auftauchende Albert, ein postmoderner Messias-Verschnitt, der sich aus für den Leser zunächst unerfindlichen Gründen vorgenommen hat, diese Exoten in die Mitte bürgerlicher Anständigkeit zurückzuführen: In einen immer gleichen Arbeitsalltag, voll von Pflichten und Intrigen, samt der im Feierabend-Eck beharrlich lauernden Sinnfrage „Wozu?“. Um das zu erreichen schreckt er vor nichts zurück, Wundern eingeschlossen, bis die vier ihr Schattenreich tatsächlich im ewigen Licht einer Sonne erstrahlen lassen.

 

Das Publikum reagierte zwiespältig: Einerseits hörte es fasziniert zu und fragte interessiert nach. Andererseits wurde es als etwas schade empfunden, dass der Autor vom Kosmos des Überraschenden und Vielschichtigen in seinem Werk - wie es mehrfach anklang - so dezent Gebrauch gemacht hat, und stattdessen vergleichsweise konventionelle Passagen des Handlungsaufrisses und der Figurenvorstellung in den Mittelpunkt gerückt hat. Das kam dem durch mediale Überreizung ungeduldigen Zuhörer der Gegenwart nicht gerade entgegen, der sich mehrheitlich Sensationen wünscht, Sensationen, die der Roman durchaus zu bieten hat. Zu viel freilich darf man nicht verraten, aber einige Passagen aus der hinteren Mitte hätten sicher die Neugier noch besser befeuert: Hat Albert die Freunde am Ende erlöst oder nur ausgenutzt? Oder beides? Oder nichts von beidem? Auch der Schluss greift zu dieser Frage ein letztes Mal in die Trickkiste: Wehe dem, der nichts darin findet!

 

 

 

OStR Fiesel

 

 

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