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Buch des Monats - Buchempfehlungen des P-Seminars am Gabelsberger-Gymnasium Mainburg

Die  14 Schülerinnen und Schüler des P-Seminars „Literaturkritik für Jugendbücher“ rezensieren regelmäßig ein- und mehrteilige Bücher verschiedenster Genres und präsentieren hier monatlich das Buch des Monats.

 

Buch des Monats Dezember

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Das wirst du bereuen

Emma Putnam hat sich umgebracht.

 

Und jeder denkt, es ist Saras Schuld. Sara und Brielle haben sich zu verantworten, für den Tod einer Mitschülerin verantwortlich zu sein. Der Roman ,Das wirst du bereuen‘ von Amanda Maciel spielt an einer High School, an der gar nichts so läuft, wie es laufen sollte.

 

Es beginnt mit Sara, die, anstatt ihren normalen schulischen Aktivitäten nachzugehen, ihre Tage in Gerichtsgebäuden verbringt und mit ihrer Psychiaterin redet. Sie wird beschuldigt, ihre Mitschülerin Emma in den Selbstmord getrieben zu haben, mit Beleidigungen und Aufhetzungen. Diese kamen jedoch nicht von irgendwoher. Emma hatte sich fast mit den beiden Mädchen angelegt, sie hatte alle paar Tage einen neuen Freund, war immer recht hübsch, und war eine ernst zu nehmende Konkurrenz für sowohl Sara als auch Brielle. Sara allerdings hatte das alles nicht gewollt, sie war anfangs einfach nur ihrer Freundin hinterhergelaufen, wollte dazu gehören und hatte sich nicht viel dabei gedacht. Bis sie plötzlich auf einer Party sieht, wie Emma mit Saras Freund herummacht. Danach ist es auch mit ihr vorbei, und sie und Brielle steigern sich immer weiter an fiesen Taten für Emma. Das ganze Eskaliert in einem tragischen Todesfall, nach dem nichts mehr so ist wie es war.

 

Amanda Maciel gelingt mit diesem Roman fast ein Meisterstück. Sie schafft es, dass man wahre Sympathie für ihre ‚Mörderin‘ empfindet, ohne Emma dafür schlecht zu machen. Der Roman wird, obwohl es eine Erzählung ist und aus Saras Perspektive erzählt wird, recht objektiv und sachlich berichtet. Sara ist kein schlechter Mensch, auch nicht Brielle oder irgendjemand der anderen Jugendlichen. Man hat das Gefühl, dass die Hassbeziehung zwischen den Hauptprotagonisten hauptsächlich auf Missverständnissen und Unsicherheiten aufgebaut ist. Auch ist von Anfang an klar, worauf das Buch hinausläuft, jedem ist klar, dass Emma tot ist, und doch erfährt man erst nach und nach die Umstände, unter welchen sie gestorben ist.

 

Außerdem geht es nicht nur um die Beziehung zwischen Sara und Emma, sondern auch um die Freundschaft zwischen Sara und Brielle, die sich mit dem zunehmenden Verlauf als immer komplizierter herausstellt. Hineingewoben in dieses Gesamtkonzept kommt die Autorin auch noch auf das normale Teenager sein zu sprechen, Verliebt-sein, Partys, dazu gehören, die Eltern und Schule.

 

Es wird aus der Sicht einer Ich-Erzählerin berichtet, in diesem Fall Sara. Sie ist fast eine Vermittlungspartei, ein Mittelmaß zwischen Brielle und Emma. Sie ist fast immer die Mitläuferin, selten Täterin, aber immer mitschuldig.

 

Man hat das Gefühl, Sara verstehen zu können, aber gleichzeitig kann man sich auch gut in Emma hineinversetzen, was den Leser immer etwas frustriert mit der Frage zurücklässt: Warum hat Sara nichts getan, um Emma aufzuhalten?  

 


 

Buch des Monats November

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Tschick

In dem Buch „Tschick“ schickt  Wolfgang Herrndorf zwei völlig unterschiedliche Jugendliche zusammen in das Abenteuer ihres Lebens


 

Machen wir es wie die zwei 14-Jährigen in diesem Roman und fahren einfach mit einem geklauten Lada Niva Richtung Walachei ohne wirklich zu wissen, wo diese Walachei überhaupt liegt und ohne sich näher zu kennen.

 

Die Geschichte der beiden Jungen beginnt mit dem eigentlichen Ende des Romans, dem Unfall auf der Autobahn mit einem Viehtransporter. Zwischendurch kommt es zu vielen gefährlichen Situationen mit der Polizei und anderen Anwohnern, dass man am liebsten Maik und Andreij Tschichatschow helfen oder vor etwas warnen möchte. So eine Situation ist auch ihr Kennenlernen. Denn Andreij Tschichatschow, kurz Tschick, kommt nicht von irgendwoher, sondern aus Russland und arbeitet mit der Mafia zusammen. In der Schule ist er meistens betrunken oder steht unter anderen Drogeneinflüssen.

 

Warum sich Maik aber mit Tschick auf diese Reise in die Walachei begibt ist verständlich, denn Maik ist von seinen Eltern verlassen, der Vater ständig auf Geschäftsreise, die Mutter nie nüchtern und so bekommt er nie Aufmerksamkeit. Die holt er sich bei Tschick und zusammen erleben sie viele heikle Situationen noch vor der Reise und auch währenddessen. Tschick bringt ihn zu einer Party, wo Maik seinem Schwarm begegnet und dann doch überstürzt wieder abhaut. Von da an beginnt der Weg in die Walachei ohne Navigationsgerät, nur mit einer Landkarte. Auf der Reise lernt Maik das Autofahren und wie man Öl aus anderen Autos klaut. An dieser Stelle müssen die zwei auch noch ein Teil für ihr Auto auf dem Schrottplatz suchen, wo sie einem ziemlich mysteriösem Mädchen begegnen, das ihnen solange mit ihrer Bitte mitzufahren auf die Nerven geht, bis Maik und Tschick sie mitnehmen.

 

Ehrlich und immer direkt aus der Sicht der beiden Jugendlichen erzählt Wolfgang Herrndorf  in seinem Roman von einem verrückten Roadtrip. Besonders erwähnenswert sind hier die Dialoge. Wolfgang Herrndorf weiß, wie sich zwei 14-Jährige unterhalten und worüber sie sich Gedanken machen. Er scheint zu verstehen, wie groß das emotionale Desaster ist, wenn man nicht zur Geburtstagsparty der Angebeteten eingeladen ist.

 

Dass Maik und Tschick recht unerfahren und einer fixen Idee zur Folge zu ihrem Roadtrip starten - auf dem Tiefkühlpizza und Dosen ohne Öffner einfach nicht der passende Reiseproviant sind - zeigt einmal mehr, dass sich vor allem Maik in sein erstes großes Abenteuer stürzt.

 


 

Buch des Monats Oktober

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Trage doch keine Maske
Sich selbst zu erkennen und nicht zu verstecken ist eine wichtige Maxime in Raquel J. Palacios Roman „Wunder“


August Pullman trug zwei Jahre lang ununterbrochen einen Astronautenhelm, damit ihn keiner anschauen konnte. Denn der 10 Jahre alte Junge leidet an mehreren, durch ein mutiertes Gen hervorgerufenen Syndromen, die dazu führen, dass sein Gesicht entstellt ist. Innerlich fühlt sich August, kurz Auggie, völlig normal, jedoch laufen vor keinem normalen Kind andere Kinder schreiend von einem Spielplatz weg. Er hat sich an die starrenden Blicke der Menschen gewöhnt. Die Ärzte bezeichnen ihn als „Wunder“ (S.7), denn Auggie ist äußerst intelligent, humorvoll und tierlieb: „Du bist so witzig, August“ (S.303), sagt ein Mädchen zu ihm, aber erst nachdem sie mit ihm gesprochen hat- sieben Monate nach der ersten Begegnung.

 

„Wunder“ erzählt die Geschichte dieses Jungen, der von seiner Mutter zu Hause unterrichtet wurde, bis seine Eltern meinen, dass „es gut“ (S.23) für ihn sei, auf eine Schule zu gehen. Anfangs sträubt sich Auggie, denn er mag keine Orte, an denen viele Menschen sind. Doch letztendlich siegt sein Drang normal zu sein und er kommt im September in die 5B der Middle-School Beecher Prep. Die meisten Schüler sind okay, sie sind nett zu ihm und August findet schnell zwei echte Freunde namens Jack und Summer. Doch es gibt auch den gemeinen Julian, der ihm von Anfang an deutlich macht, dass die beiden keine Freunde werden und Julian bringt die anderen Kinder gegen ihn auf, bis der „Krieg“ (S.246) richtig schlimm wird. Somit hat sein bester Freund Jack mit Ausgrenzung und dem Verlust seiner Freunde zu kämpfen.
Wird Jack seine Freundschaft zu August aufgeben, um weiterhin beliebt zu sein oder wird er den Mut haben, hinter seinem Freund zu stehen? Ist August der Herausforderung des Schulalltags gewachsen? Wird Auggie erkennen, dass er sich nicht verstecken muss?

 

Der moderne Roman bringt das Leben der Schüler „an der Grenze zwischen Kindheit und all dem, was danach kommt“ (S.424) realitätsnah und amüsant auf den Punkt. August möchte auch sein „Image“ ändern, zum Beispiel wünscht er sich die neue XBox und schreibt über Facebook, was ihn früher nicht interessiert hat. In der Schule wird selbstverständlich über den neuesten Klatsch, verliebte Kameraden, Halo, Avatar und Miley Cyrus geredet, nachdem sie sich fünf gegeben haben. Der Familienstreit, der neue iMac und die Sockenschlacht auf der verregneten Klassenfahrt fehlen natürlich auch nicht.
Auch wie die Kinder vom letzten Kuscheltier wegkommen und Heimweh beim Übernachten bekommen, wird in „Wunder“ so dargestellt, dass der Leser immer wiederschmunzeln muss.
Dieses wunderbare Buch rührt den Leser zudem an einigen Stellen so sehr, dass kein Auge trocken bleibt.
Die schwierige Thematik über Abnormalität, Mobbing und Freundschaft wird durch die aktuelle jugendliche Sprache aufgelockert und lebhafte Vergleiche mit der Umgebung schaffen dem Leser sofort sein eigenes Bild über Augusts Welt. Es wird einem bewusst, dass diese Welt im Grunde tagtäglich in unserer vorzufinden ist: Einblicke in das Gefühlsleben eines „Nicht-Normalen“ sowie in das gegenüberliegende Verhalten der „Normalen“ bleiben in Erinnerung.

 

Dass die Ich-Perspektive im Laufe des Romans mehrmals wechselt, gewährt dem Leser auch das Hineinversetzen und Verstehen der anderen Charaktere. Beispielsweise erfährt man so, wie Augusts gesunde Schwester mit der Situation zurechtkommt. So beweist „Wunder“ zudem, dass jeder seine Macken und „Ticks“ (S.272) hat und niemand perfekt ist.

 


 

Buch des Monats Juli 

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/en/c/ce/Eragon_book_cover.png

 

In seinem Tetralogie-Auftakt „Eragon“ lässt Christopher Paolini einen 15-jährigen Teenager in das Abenteuer seines Lebens stürzen Feen, Elfen, Könige, Ritter, Drachen, Monster – Fantasy vom Feinsten, und für Menschen jeden Alters eine Faszination. Woran genau das liegt, ist nicht immer ganz klar, allerdings machen manche Bücher es schwer, sich nicht in die Fantasiewelten entführen zu lassen: mit „Eragon“ schafft Autor Christopher Paolini eine Welt, in der jeder Fan dieses Genres voll auf seine Kosten kommen wird.

 

Als der 15-jährige Eragon nämlich im Gebirge, dem sogenannten „Buckel“ einen seltsamen Stein findet und diesen mit zu sich nach Hause nimmt, stellt sich von jetzt auf sofort sein ganzes Leben buchstäblich auf den Kopf: das, was er für einen äußerst soliden Felsbrocken hält, ist in Wirklichkeit ein Drachenei. Sobald der Drache, Saphira, geschlüpft ist, beginnen sich seltsame Dinge zu ereignen, bis schließlich Eragons Heimat angegriffen wird und er sich entschließt, sein Dorf zu verlassen und seine Feinde zur Strecke zu bringen.

 

Unterstützt wird er dabei von Brom, einem alten Geschichtenerzähler, der um einiges mehr weiß, als er zu wissen vorgibt, und einer wunderschönen Elfe namens Arya. Auf seiner Reise begegnet Eragon vielen verschiedenen Persönlichkeiten, deren Charakter und Herkunft ihm mitunter Kopfschmerzen bereiten; auch Umwege und Rückschläge bleiben ihm nicht erspart. Dabei ist er doch immer auf der Flucht vor den Angreifern, die, wie er erfährt, nicht nur selbst sehr mächtig sind, sondern auch noch das Gesetz im Rücken haben.

 

Christopher Paolini lässt in „Eragon“ Träume wahr werden. Er entführt den Leser regelrecht nach Alagaesia, fängt ihn in den Abenteuern seines Helden ein und lässt ihn dann nicht mehr los. Es ist leicht, völlig in die Geschichte einzutauchen; dafür sorgen sein angenehmer Schreibstil und die absolute Authentizität, mit der Paolini seine Welt Stück für Stück aufbaut. Für anspruchsvollere Leser ist außerdem das Buch in Originalsprache (Englisch) zu empfehlen – hier werden viele Anspielungen und Wortspiele deutlich, die in der deutschen Übersetzung leider verloren gehen.

 


 

Weitere Empfehlungen findet ihr in der Glasvitrine am Vertretungsplan, der Schulbibliothek, der Mainburger Stadtbibliothek und der Auer Bibliothek.

 

Auch Interesse an englischen Büchern?

--> midsummernightsky.wordpress.com

 

 

Wir wünschen Euch viel Freude am Lesen!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


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